Im Januar 2007 beschließen zwei Kölner Jungs die Modewelt zu revolutionieren. Angetrieben von ihrer Leidenschaft für gutes Design und geschockt von den Missständen der Textilindustrie treffen sie einen Entschluss: Sie wollen ein Unternehmen aufbauen, das die Dinge anders angeht.

Aus der einfachen Idee T-Shirts zu bedrucken und über den Verkauf Spendengelder für Charity-Projekte zu sammeln, ist ein Unternehmen gewachsen, das heute – 10 Jahre später – zu den größten Eco & Fair Fashion Labels Europas zählt. Mit einem 70-köpfigen Team und vier Kollektionen im Jahr beweist ARMEDANGELS jeden Tag, dass sich Nachhaltigkeit und gutes Produktdesign nicht ausschließen. Zu verstecken gibt es dabei nichts: Das Kölner Label setzt ausschließlich auf nachhaltige Materialien und arbeitet kontinuierlich an fairen Arbeitsbedingungen und einer transparenten Lieferkette. Heute ist ARMEDANGELS nicht mehr nur Fairtrade- und GOTS-zertifiziert, sondern auch Mitglied der Fair Wear Foundation.

Wir haben uns mit Gründer und CEO Martin Höfeler zusammengesetzt, um die letzten zehn Jahre aus seiner Sicht Revue passieren zu lassen.

ARMEDANGELS Founder & CEO Martin Höfeler - Interview Warum hast Du ARMEDANGELS gegründet?
Ich hab’ schon relativ früh gemerkt, dass ich was Eigenes machen will. Bei Anton, meinem Mitgründer, war das genauso. Ich wollte immer einen Job, von dem ich überzeugt bin, der etwas verändern kann und der mit meinem Gerechtigkeitssinn zusammenpasst. Das ist nämlich ein Thema was mich persönlich am meisten berührt.

„Der totale Verzicht ist in unserer Gesellschaft nicht realistisch. Viel wichtiger ist es uns, zu vermitteln, bewusst zu konsumieren.“
Für was steht ARMEDANGELS? Was ist Eure Mission?
Wir wollen zeigen, dass Mode auch anders geht – Eco + Fair. Nachhaltige Materialien, faire Arbeitsbedingungen und gutes Produktdesign schließen sich in unseren Augen nämlich nicht aus. Wir wollen aufrütteln, möglichst viele Menschen mit unserer Message erreichen und zeigen, dass jeder eine Wahl hat. Natürlich wäre es besser, einfach weniger zu kaufen. Der totale Verzicht ist in unserer Gesellschaft aber nicht realistisch. Viel wichtiger ist es uns, zu vermitteln, bewusst zu konsumieren und zu überlegen, was man wirklich braucht.

Was macht Dich stolz?
Grundsätzlich finde ich es toll, wenn jemand sich engagiert und die Dinge einfach anpackt. Wenn derjenige dabei auch noch ARMEDANGELS trägt, mega. Dann haben wir alles richtig gemacht. Es gab beispielsweise mal so ein Video mit Thomas D., in dem er Müll von der Straße gesammelt hat, weil er sich darüber aufgeregt hat, das jeden Tag zu sehen. Statt sich weiter rumzuärgern, hat er ihn einfach selbst aufgesammelt. Das finde ich großartig. Und das Beste: Er hatte ein ARMEDANGELS T-Shirt an. Das hat mich stolz gemacht. ARMEDANGELS ist für viele nämlich nicht nur eine Brand, sondern eine Einstellung. Außerdem bin ich stolz, dass wir uns in den letzten 10 Jahren nicht verbogen haben und unser Ding durchgezogen haben. Egal was andere gesagt haben. Ich bin stolz darauf, dass hier Menschen arbeiten, die an die Sache glauben und für die Marke brennen. Ich glaube, dass es einen wichtigen Unterschied macht, ob man für Geld arbeitet oder für seine Überzeugung.

Was war der krasseste Fehltritt. Gab es mal was, was so richtig schiefging?
Oh ja. Gerade was die Auswahl von Lieferanten anging sind wir am Anfang ein paar Mal ordentlich gescheitert. Aber wir haben daraus gelernt. Vor allem, dass man Verantwortung niemals abschütteln kann, Dinge immer wieder hinterfragen sollte und dass Fehler gut sind. Man darf sie nur nicht zweimal machen.

„Mein klarer Aufruf an alle da draußen: Fragt Euch, was ihr hinterlassen wollt. Glaubt an Veränderung. Und dann legt einfach los. Und am besten ist, ihr tragt noch ARMEDANGELS dabei.“
Was sind die größten Herausforderungen?
Eine der größten Herausforderungen ist definitiv unser Perfektionismus und der Hang dazu, die bestmögliche Lösung zu finden. In der ARMEDANGELS Unternehmenskultur ist der Wunsch nach positiver Veränderung so fest verankert, dass wir nicht einfach bloß etwas Neues machen, sondern immer gucken, wie man das Neue bestmöglich machen kann. Ganz egal, ob es sich um ein neues Material, Verpackungen oder um neue Lieferanten handelt. Das bremst uns manchmal auch aus. Außerdem stellen wir extrem hohe Anforderungen an unsere Partner und investieren unglaublich viel Zeit und Energie, um herausfinden, wie wir nachhaltig etwas in der Branche verändern können. Das ist aber nicht immer so einfach, weil neue Lösungen oft auch eine Kehrseite haben. Aber wer nichts macht, kann auch nicht falsch machen. Die kleinen Schritte sind das was zählt. Und wenn ich eines gelernt habe, dann, dass es immer Kritiker geben wird. Kritik zu üben ist einfach. Wirklich etwas zu verändern hingegen, ist wesentlich schwieriger.

„Wer nichts macht, kann auch nichts falsch machen. Die kleinen Schritte sind das was zählt.“
10 Jahre ARMEDANGELS. Wie seid ihr dahin gekommen, wo ihr jetzt seid?
Erstens: Mit knallharter Arbeit, Durchhaltevermögen und einem tollen Team, das von der Sache überzeugt ist.
Zweitens: Mit Produkten aus qualitativ hochwertigen Materialien und einem anspruchsvollen, modernen Design.
Drittens: Mit dem wachsenden Bewusstsein der Menschen in Sachen nachhaltigem Konsum.

Und wie geht’s jetzt weiter?
Unser Ziel ist es, das fairste Modelabel der Welt zu werden. Vielleicht sind wir es sogar auch schon. Trotzdem gibt es noch eine ganze Menge zu tun. Das ist uns klar; und je größer wir werden, desto mehr Herausforderungen erwarten uns auch. Das ist zwar anstrengend, aber gleichzeitig spornt es uns auch jeden Tag an. In den nächsten fünf Jahren wollen wir den Fair-Fashion-Markt in Europa erobern und in zehn Jahren wollen wir in allen relevanten Märkten der Welt vertreten sein, Eco & Fair als Fashion Standard in der Modewelt etabliert und möglichst viele Menschen mit unserer Message zum Umdenken in ihrem Kaufverhalten bewegt haben. Ein bisschen was haben wir also noch vor uns, aber es hat ja auch niemand gesagt, dass es einfach ist, die Welt zu verändern.

„Niemand hat gesagt, dass es einfach ist, die Welt zu verändern - ein bisschen was haben wir also noch vor uns.“