Was hat Baumwolle mit Bienen zu tun? Ziemlich viel sogar.
Denn der weltweite Baumwollertrag kann um 60% gesteigert werden, wenn Bienen mithelfen.
Wir haben mit Imker Olaf Nils Dube gesprochen.

 

Wie oft werden Sie gestochen?

 
„Das passiert natürlich manchmal. Eher durch Zufall, wenn ich einen Rahmen herausziehe und aus Versehen eine Biene quetsche. Es kann sein, dass ich eine ganze Woche bei den Bienen arbeite, jeden Tag, und werde gar nicht gestochen. Und wenn es mal passiert, ist es auch nicht weiter wild. Der Schmerz ist ja nicht so verrückt. Die Angst davor macht es am Ende immer schlimmer, als es ist.“

Foto: ond/Insel Verlag

Eigentlich waren Sie in den Medien tätig. Als Sie Mitte Dreißig wurden,
schmissen Sie Ihren Job, zogen von der Etagenwohnung in Pankow in einen Zirkuswagen und begannen mit der Imkerei. War Bienen retten ein Aspekt?

 
„Ganz und gar nicht. Das hatte persönliche Gründe. Dass ich mit meinem Job nicht mehr einverstanden war und schon immer etwas mit Natur machen wollte. Die Honigbienen wollte ich nicht retten. Die Katastrophe ist etwas anderes: Das Insektensterben. Das Schlagwort Bienensterben lenkt vom eigentlichen Problem ab. Wir zerstören wichtigen Lebensraum. Auf den Äckern fahren viel zu große Maschinen, dadurch verlieren die Böden an Qualität. Wir betreiben Monokultur. Der Gifteinsatz auf den Feldern. Pestizide, die mindestens konstant oder verstärkt eingesetzt.“

 

„Wir zerstören wichtigen Lebensraum.“

Dann steht es also gar nicht so schlecht um die Bienen, wie es die Medien erzählen?

 
„Dass die Honigbiene ausstirbt, ist ein Mythos. Klar, man hat Winterverluste, was auch mit der Umwelt zu tun hat oder haben kann. Imkerei ist auch sicher nicht mehr so einfach wie früher in der konventionellen Landwirtschaft. Aber grundsätzlich kümmert sich der Imker um seine Bienen und kann eingreifen, zum Beispiel flüchten. Aber wir Imker müssen uns auch an die eigene Nase fassen. Imkerei ist eben Tierhaltung und die kann man sehr unterschiedlich betreiben. Wenn man Bienen zum Bestäuben von Mandelbäumen in die Plantagen stellt und parallel der Gift-Trecker durchfährt, kann man nicht von einem mystischen Bienensterben sprechen. Bei aller Liebe zu Maja und Co. liegen die viel größeren Probleme bei den Themen Artensterben und der Stabilität unserer Ökosysteme, also im Kern: der Übernutzung unserer natürlichen Ressourcen.“

Besonders bedroht sind die Bienen durch den Einsatz immer aggressiverer Pestizide (Insektizide, Fungizide und Herbizide) in der Landwirtschaft. Zuletzt standen Neonics in der Kritik. Ein Teelöffel der Substanz könnte eine Milliarde Bienen töten – eine winzige Menge also 20.000 große Völker. Was macht diese Stoffe so gefährlich?

 
„Die Wirkung dieser Substanzen ist fatal, weil sie immer komplizierter wirken und ihre Abbauprodukte und Wechselwirkungen im Boden und Grundwasser immer schwerer im Blick zu behalten sind. Wenn das überhaupt jemals möglich war. Ein Bienenvolk ist nicht einfach tot und man weiß als Imker sofort, dass es an einem bestimmten Insektizid liegt. Oft schwächen sie ein Volk nur. Ihre Wirkung ist häufig subletal, also bringt nicht direkt um. Was man weiß, ist, dass Neonics, das Orientierungsvermögen der Bienen schädigt. Dann sterben nicht alle Bienen, aber es werden weniger, weil sie sich verfliegen und nicht mehr nachhause finden. Die Kolonien entwickeln sich einfach nicht, wie üblich. Aber dafür kann ich als Imker nicht so einfach die Ursache ausmachen. Das könnte viele, auch natürliche Gründe haben.“

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Ein unübertroffenes Beispiel, wie die chemische Eskalation enden kann: Baumwolle. Aus ihr werden jedes Jahr rund zwei Milliarden Jeans produziert. Aufgrund der Nachfrage, wird sie mit Gift aufgepäppelt. Heute muss die Baumwollpflanze in ihrer Vegetationszeit mehr als dreißigmal gespritzt werden. Auch Bienen sind davon betroffen. Ökologisch zertifizierte Anbieter, die nach den GOTS Kriterien arbeiten, setzen ausschließlich natürliche Pestizide ein und schützen so die Umwelt. Was könnte man sonst noch machen?

 
„Das Problem ist die Größe der Dinge, die wir so tun. Ich habe mich bewusst entschieden, mit meinem Betrieb anders zu wachsen. Klein zu bleiben, bunter, in die Breite zu gehen. Ohne einen gigantischen Maschinenpark, um die Effizienz zu steigern. Die konventionelle Landwirtschaft ist auf Effizienz und Wachstum ausgerichtet. Noch mehr Waren, noch mehr Profit. Für mein Gefühl muss es kleiner sein. Andere Werte müssen mehr in den Vordergrund. Die Höfe kleiner, regionaler Erzeuger sind viel bunter, viel reichhaltiger und dazu nah am Verbraucher. Weil sie sich nicht spezialisieren auf eine Kultur, die sie durchziehen, sondern vielgestaltig sind. Die ökologische Landwirtschaft lässt im besten Fall auch mal eine Wiese aufblühen durch stückweises Mähen. So gibt es immer auch ein Angebot für Insekten. Das ist natürlich nicht so profitabel und effizient. Früher gab es diesen Spruch unter Landwirten „Die Bienen und das Schaf, die ernähren den Bauern im Schlaf“. So ist das nicht mehr.“

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Nachhaltiger Konsum von ökologischen Produkten – von Baumwolle bis zu Lebensmitteln – schützt unsere Natur. Was kann jeder einzelne von uns gezielt tun, damit es den Bienen und anderen Insekten gut geht?

 
„Wer einen Garten hat, der sollte seinen Rasen höher stehen lassen, einfach mal den Klee blühen lassen. Ein bisschen Chaos und Unordnung zulassen, wenigstens in einer Ecke. Die Gärten von uns Deutschen sehen aus wie von Psychopaten. Das sind Fussballrasen. Es ist wirklich ein Wunder, wenn man eine Wiese mal wachsen lässt. Da tauchen plötzlich längst vergessene Heilpflanzen wieder auf und locken neue Insekten an. Das ist wie ein Zoo.“

 

„Wer einen Garten hat,
der sollte seinen Rasen höher stehen lassen,
einfach mal den Klee blühen lassen.“

 

Im September ist das erste Buch von Olaf Nils Dube im Suhrkamp Verlag erschienen: „Bienen und Menschen – eine Freundschaft“