Stimmt es eigentlich, dass man Bakterien in der Jeans im Gefrierfach kalt machen kann?

 

Denim nie in den Trockner gehört? Und die Skinny Jeans bei Weichspüler in die Röhre guckt?
5 Urban Myths, alle Antworten. Ein Care-Guide.

Denim-Nerds schwören auf die ‚No-Wash-Policy‘.
Jeans unter keinen Umständen waschen.

 

Zu Recht! Denn Raw Denim-Hosen sind eigentlich Workwear und so designt, dass sie lange die Form wahren. Besonders robust bleiben sie, wenn man sie lässt, wie sie sind. Heißt: erstmal nicht waschen. Das ist gut für den Stoff – und für die Umwelt. Jede Denim entwickelt mit der Zeit einen eigenen Fingerabdruck. Nach 6 Monaten wird die Hose gezielt gewaschen. Denim-Heads nennen das feierlich ‚Break in your Denim‘, was so viel heißt wie ‚Mach deine Denim durch Tragen passender‘. Individuelle Tragespuren wie hinten an den Kniekehlen, das Honeycomb, oder die Sitzfalten vorn, die Whiskers, werden auf diese Weise gepflegt.

Erst lange tragen, dann waschen, weitertragen, wieder waschen.

 
Beim Waschen gehen die Meinungen auseinander. Einige schwören auf Handwäsche mit wenig Waschmittel in kaltem oder lauwarmem Wasser. Andere finden: auch in der Waschmaschine kann man das durchaus machen. Fest steht: Je wärmer das Waser, umso mehr Farbe wäscht sich raus und schrumpft die Faser. Höchstens 40 Grad. Das Betrifft vor allem Elastanfasern in Skinny Jeans. Sie können brechen und ihren Rücksprung verlieren. Damit ist die Passform dahin. Beim Waschen die Jeans auf Links drehen. Dadurch wird der dreckigste Part, der auf der Haut lag, sauber und es schont die Farbe. Danach an der Luft trocknen.

Bakterien und Gerüche killt man,
indem man die Denim in den Tiefkühler legt.

 

Schon mal eine Plastiktüte rausholen! Denim hält sich gekühlt tatsächlich am besten. Vorausgesetzt die Jeans wird gut verpackt. Sonst klebt der Stoff am Eis fest und kann reißen. Gerüche und Bakterien verschwinden trotzdem.

Entscheidend ist die Kälte. Sie bricht die Geruchsmoleküle auf.

 
Egal, ob Zigarettenqualm, Bratendampf oder einfach Schweiß. Auch die Bakterien in Hautschuppen, die den muffigen Geruch produzieren, werden gestoppt. Mindestens für ein bis zwei Tage im Eisfach lagern. Eine Variante: die Hose beim Duschen im Bad aufhängen. Durch den Wasserdampf werden Geruchsmoleküle aus dem Stoff heraustransportiert. Gegen Bakterien hilft das nicht. Unter den Nicht-Wäschern kursiert dieser Tipp: die Hose mit einem Dufttuch in den Trockner werfen. Dann den Schaltgang „Lüften“ anstellen. Doch Vorsicht. Ist der Trockner zu heiß, können die Fäden brechen. Außerdem können sich auf dunklen Denims marmorartige Linien bilden. Fast noch schlimmer: Frisst viel Energie.

Für viele gilt:
Gleich nach dem Kauf die Hose waschen.
Das soll sie von Giftstoffen befreien.

 

Kommt auf die Denim an. Bei manchen tiefdunkel gefärbten Denims, die entweder ungewaschen oder nur ein Rinsewash sind, kann es schon beim Anziehen in der Umkleide zum Abfärben kommen. Plötzlich sind die Finger oder Oberschenkel blau. Das heißt dann aber nicht sofort: giftig. Die Farbe sitzt einfach noch frisch an der Oberfläche. Zumindest bei Jeans, die GOTS geprüft sind, kann man die Jeans bedenkenlos eintragen. Bei konventionellem Denim aus Fernost gilt: auf links drehen und einmal gut mit Colorwaschmittel spülen. Bei der konventionellen Baumwolle, beim Färben und Behandeln werden gesundheitsgefährdende Chemikalien benutzt. Für gewöhnlich werden die Jeans vor der Auslieferung gewaschen. Doch da das Wasser und Zeit kostet, wird besonders bei Billig-Produkten daran gespart. 100% sicher wird die Hose danach aber nicht. Chlor, dass für Treatments benutzt wurde, wäscht sich raus. Schwermetalle, die beim Färben eingesetzt werden, nicht. Sie sind nicht abbaubar. Aber: eine gewaschene Denim färbt weniger auf die Haut und Gesundheit.

Mehr als 4.000 unterschiedliche Chemikalien werden in der Modeproduktion eingesetzt.

 
Die meisten nicht kontrolliert. Die Gefahr für Mensch und Natur: unberechenbar. Non-Profits, Mediziner und Umweltämter warnen regelmäßig vor den Gesundheitsrisiken, wie Allergien, Krebs oder Unfruchtbarkeit. Der GOTS-Standard (Global Organic Textile Standard) verbietet kritische Stoffe nachhaltig. Auf der so genannten Positiv-Liste sind alle sicheren Chemikalien erfasst. Die Produktionspartner von ARMEDANGELS halten sich an diese Vorgaben. Während viele Jeans-Brands erst das fertige Produkt auf Giftstoffe testen, kontrollieren wir schon bei der Herstellung, dass erst gar keine Giftstoffe verwendet werden.

Weichspüler leiert die Skinny aus.

 

Stimmt. Die darin enthaltenen Wirksubstanzen weichen die Fasern auf. Wäscheweichspülmittel enthalten in der Regel kationische Tenside. Das sind Tenside, die an einem Ende eine positive Ladung tragen. Durch diese positive Ladung können sie sich mit den negativ geladenen Fasern verbinden und so das Textil aufziehen. Das Resultat: die Denim sitzt nicht so fest am Körper. Derselbe Effekt tritt für gewöhnlich erst nach zwei Wochen Tragen ein. Dann beult der Stoff an Oberschenkel, Knie und Po. Die oberste Moderegel lautet daher: Jeans mit Stretch-Anteil spätestens dann waschen. So bekommt sie ihre alte Form. Da gibt es auch keine Alternative (ebenso wie bei weißen Hosen!). Die No-Wash-Praxis funktioniert nur bei klassischen Jeans.

Mit extra Blue-Jeans-Waschmittel bleibt die Denim länger blau.

 

Mythos. Tests haben gezeigt, dass Farb-Waschmittel keine Vorteile gegenüber einem guten Colorwaschmittel bieten. Textilien verlieren trotz dieser Mittel ihre Farbe. Ein einfaches Colorwaschmittel reicht vollkommen. Es lässt sich für alles Bunte und Schwarze verwenden, auch im schonenden Pflegeleichtprogramm mit halber Beladung. Selbst für die Handwäsche reicht ein gutes Color völlig aus. Eine Denim wird nach dem Waschen nie wie neu aussehen. Da hilft im Zweifel nur: Färben. Dabei ist auf die Zusammensetzung zu achten. 100% Bio-Cotton überfärbt sich anders als ein Gemisch aus Bio-Cotton und Kunstfasern, wie Elastan. Den ursprünglichen Look bekommt man dadurch nicht mehr zurück. Daher sollte man beim Färben offen für Neues sein.