Wir haben hohe Ansprüche an unsere Produkte – und daran, unter welchen Umständen sie hergestellt werden. Damit wir diesen Ansprüchen auch gerecht werden, reist unsere Sustainability Managerin Julia regelmäßig zu unseren Partnern. Wir haben sie in die Türkei begleitet.

„Wir tauchen hier nicht einfach auf und wollen die Leute belehren,“ erklärt Julia ihre Herangehensweise an den Besuch. „Wir wollen mit unseren Partnern gemeinsam wachsen und uns auf Augenhöhe begegnen. Uns ist gegenseitiges Vertrauen sehr wichtig, denn wir wünschen uns langfristige Arbeitsbeziehungen mit unseren Lieferanten. So kann man gemeinsam am meisten bewegen.“ Julia ist für fünf Tage nach Istanbul gereist und trifft die drei Lieferanten, die in der türkischen Großstadt für ARMEDANGELS produzieren. Sie besucht unseren Stricker, unseren Feinstricker und unseren Konfektionär für Hemden.

Sustainability Manager Julia visits partners in Istanbul, Turkey - ARMEDANGELS Eco + Fair Fashion Blog

Beim ersten Betrieb steht ein Fair Wear-Audit auf dem Programm.



Wir sind Mitglied bei der Fair Wear Foundation. Die FWF ist eine internationale Initiative, die gemeinsam mit Auftraggebern und Produzenten die Lieferketten und Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken verbessern will,“ erklärt Julia. „Es gibt klare Richtlinien, die eingehalten werden müssen. Dabei geht es um faire Löhne, Sicherheit am Arbeitsplatz und eine ressourcenschonende Produktion. Kinderarbeit ist verboten, Gewerkschaften aber ausdrücklich erlaubt.“ Bei unserem Stricker wird die Einhaltung dieser und weiterer Regeln in einem Audit überprüft. Mit dabei sind neben den Auditoren der FWF natürlich der Produktionspartner und Julia für ARMEDANGELS.

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Julia überprüft Fluchtwege, rüttelt an Feuerlöschern, schaut sich Aushänge mit Sicherheitsregeln ganz genau an und bemängelt die Zugänglichkeit einer Augendusche für den Notfall. Das Audit ist aber erfolgreich, der Betrieb hat sich in vielen Punkten enorm verbessert. Julia freut sich: „Es ist toll, nach einem halben Jahr wiederzukommen und so viele positive Veränderungen zu sehen. Man kann sehen, dass hier viele bewegt wurde. Und dass unsere Mühen sich direkt auf die Arbeitsbedingungen der Menschen auswirken.“

Der Feinstricker genießt einen ausgezeichneten Ruf.



Tag zwei, unser Feinstricker steht auf dem Programm. Im Gespräch mit den Mitarbeitern merken wir schnell, dass wir hier in einem echten Vorzeigebetrieb gelandet sein müssen. Die Arbeiter sprechen in den höchsten Tönen von ihrem Management. Alle sind froh, in einem Betrieb zu arbeiten, der in der Branche einen ausgezeichneten Ruf genießt.

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„Unser Feinstricker hat im letzten Jahr viel größere Aufträge von uns bekommen. Heute sehe ich, dass sie diese Mehreinnahmen genutzt haben, um richtig viele Verbesserungen vorzunehmen. Das freut mich enorm", sagt Julia. „Seit dem letzten Audit hat sich der Betrieb wirklich wahnsinnig weiterentwickelt. Es ist so ordentlich, hell, aufgeräumt, sauber und gut strukturiert. Das finden die Angestellten natürlich auch gut.“

Es gibt jetzt eine demokratisch gewählte Arbeitnehmervertretung, durch Anbauten wurde mehr Platz geschaffen, die Fluchtwege haben sich so ebenfalls verbessert. Dazu wurden Überstunden reduziert und es gibt regelmäßig sowohl Sicherheitsübungen als auch Schulungen, damit die Arbeiter zum Beispiel ihre Lohnabrechnung besser verstehen.

Bei unserem Hemdproduzenten herrscht hektisches Treiben.


Tag drei. Ein großer Auftrag eines anderen Unternehmens hält unseren Hemdproduzenten auf Trab. Trotzdem können wir hier und da einen der Arbeiter von seinem Arbeitsplatz weglocken (natürlich in Absprache mit seinem Abteilungsleiter) und ihm ein paar Fragen stellen. Währenddessen führt Julia Gespräche mit der Geschäftsführung. Sie will erfahren, welche Veränderungen seit ihrem letzten Besuch umgesetzt wurden und was noch offen ist – und warum. Die Gespräche sind ein Erfolg. Nachdem es beim letzten Besuch in einigen Punkten noch etwas gehakt hat, geht Julia dieses Mal mit neuen Erkenntnissen und neuen gemeinsamen Zielen aus dem Treffen heraus. „Es ist schön, wenn man am Ende des Tages merkt, dass man immer einen Schritt weiterkommt, auch wenn es manchmal nicht einfach ist. Aber genau dafür fahre ich ja her – im persönlichen Gespräch ist alles leichter und man muss den Partnern auch Zeit geben, wirklich zu verstehen, was wir uns wünschen und warum. Das, was wir wollen, unsere Mission, das ist eben nicht normal in der Textilindustrie. Da braucht es manchmal etwas Geduld und Ausdauer.“

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Eine Woche im Leben eines Sustainability Managers: Es war sehr interessant zu sehen wie es ist, die Anforderungen die wir an uns selbst stellen, vor Ort umzusetzen – und dafür auch Zugeständnisse einzufordern. Es braucht Durchhaltevermögen, Diplomatie, Respekt und auch die Fähigkeit, trotz manchmal unterschiedlicher Meinungen einen partnerschaftlichen Dialog zu führen.
Was dabei auf jeden Fall hilft (und glücklicherweise nie schwierig zu bekommen ist): Sehr starker türkischer Kaffee aus sehr kleinen Tassen. Viel davon!

Noch mehr aus Julias Arbeitsalltag gibt es hier zu lesen.