Als Wellness- und Ernährungsexpertin ist Jasmine Hemsley eine starke Stimme für positive globale Veränderungen in Sachen Ernährung, Mode und Lifestyle. Das primäre Ziel der Autorin, Rednerin und Influencerin für nachhaltige Mode ist es, die Rückkehr zu einer einfacheren und bewussteren Lebensweise zu fördern.

Als wir in ihrem Zuhause im Süden Londons ankommen, werden wir willkommen geheißen als ob wir schon immer zum Inventar gehörten. Ihre natürliche Wärme spiegelt sich in den strahlenden Farben und der Sammlung wiederverwerteter Schmuckstücke wider, die ihr farbenfrohes Heim zieren. “All die Kleinigkeiten, die ich um mich habe, waren einmal Schätze von jemand anderem, die nun eine verlängerte Lebensdauer bekommen”, erklärt sie fröhlich. Obwohl sie eine schier unendliche To-Do-Liste hat, kann sie es kaum erwarten, loszulegen und mit uns über Mode und Nachhaltigkeit zu sprechen.

 

Disconnected

Jasmines Weg hin zu einem nachhaltigen Lifestyle ist größtenteils ihrer Karriere als Model geschuldet, während der sie begann, sich von dem endlos erscheinenden Strom des Konsums erdrückt zu fühlen. “Man sieht so viel neue Kleidung kommen und kommen und kommen. Man verspürt diesen Drang zu kaufen, und wir haben zu all dem gar keine Verbindung - Wo kommt es her? Wer hat es gemacht?”. Sie fühlte sich unwohl mit der endlosen Trendflut und beschloss, den Ansatz ihres Modekonsums neu auszurichten.

A forever kind of love

Heute ist Jasmins Style-Ansatz einfach. Statt Trends hinterher zu laufen, fragt sie sich: “Liebe ich es?”. “Ich kaufe etwas, wenn ich das Teil liebe und immer wieder tragen werde”. Der Preis ist da zweitrangig. Ein Kleidungsstück mit nach Hause zu nehmen und zu sehen, wie es zum Rest ihrer Garderobe passt, um wirklich sicher zu sein, dass sie es tragen wird, ist ihr wichtig. “Ich schrecke nicht davor zurück, Sachen umzutauschen, und ich halte das für sehr wichtig. Etwas zuhause mit den eigenen Sachen anzuprobieren ist ein echter Indikator dafür, ob man es noch einmal tragen wird”.

Eine nachhaltige Garderobe kreieren

Jasmin betont, dass der Ansatz zu nachhaltiger Mode kein Alles-oder-Nichts-Konzept ist. “Wenn man sich zu schnell hereinstürzt - ohne Vorwissen - und alles aus seinem Leben verbannt, fängt man im Grunde bloß ein neues Projekt an, das dann zum einem Trend oder einer Modeerscheinung wird”. Stattdessen plädiert sie dafür, es langsam angehen zu lassen. “Es ist nachhaltiger, die eigene Kleidung zu behalten oder sicherzustellen, dass sie woanders weiterverwendet wird - egal ob man sie verschenkt, verkauft oder tauscht”.

Jasmine verrät uns ihre besten Tipps, um eine nachhaltige Garderobe zu kreieren:

 

1.Definitiv kein Teil kaufen, nur weil es umweltfreundlich produziert wurde. Es muss auch funktionieren. Wenn es auseinander fällt, nachdem man es drei mal getragen hat, weil es nicht gut gemacht ist, ist das ein Problem.

2.Wenn das Ziel das Kreieren einer reduzierten Garderobe ist: Kleiderbügel umdrehen, wenn etwas getragen oder gewaschen wurde, sodass man direkt sehen kann, welche Teile man regelmäßig trägt.

3.Ein Kleidungs-Filtersystem einführen. Die ungetragenen Teile außerhalb der eigenen Sichtweite aufbewahren. Nach 6 Monaten durchgehen. Sammlung aussortieren. Wiederholen.

4.Instagram zur Suche nach unabhängigen, moralisch vertretbaren Marken benutzen.

5.Das Ganze wie ein schönes Projekt betrachten und sich nicht schämen, wenn die Garderobe nicht ganz und gar umweltfreundlich ist.

 

Eine vielseitige Garderobe

Der Übergang von einem lässigen Tageslook zu etwas Schickerem ist essenziell. “Mein neuer Liebling ist definitiv das Wickelkleid Elke von ARMEDANGELS über Jeans und T-Shirt. Wenn man spontan ausgeht, kann man Jeans und T-Shirt einfach ausziehen und hat ein schickes Kleid, das man mit flachen Schuhen oder Absätze tragen kann”.
Vielseitigkeit ist entscheidend und es ist wichtig, diese Vielseitigkeit beim Kombinieren mit der eigenen Garderobe auszunutzen. “Ein Kimono oder ein Cape über Jeans und T-Shirt sieht sehr cool aus. Einen Pullover darüber zu tragen, wenn das Kleid hinten heraushängt, auch. Ich denke, so lässt sich die eigene Garderobe besser nutzen”.

Material girl

Bei der Frage, welche Materialien gut oder schlecht für die Umwelt sind, entsteht schnell Verwirrung. “Baumwolle ist bekannt als natürlicher und atmungsaktiver Stoff, daher meint man, sie sei gut für die Umwelt, obwohl das nicht immer der Fall ist”. Jasmine ist begeistert von den Fortschritten im Bereich Eco-Technologie, die neue Materialien auf den Markt bringen. “Neue Stoffe [wie z.B. ECOVERO™] lassen sich gut waschen und knittern nicht so schnell. Sie ist weich, fühlt sich gut an, lässt sich gut waschen und ist gut für die Umwelt. Das ist Eco-Technologie und das ist es, was mich daran anzieht”.

Be kind

Jasmine erkennt, dass man schnell militant werden kann, wenn man erst einmal angefangen hat, einen nachhaltigeren Weg zu gehen. “Man sollte es nicht zu seiner Religion machen”, warnt sie, “Man selbst leistet vielleicht einen Beitrag für die Umwelt, dafür schreckt man aber 20 andere Leute ab. Dann hat man nicht nur 20 Freunde verloren, sondern diese auch noch von der Idee abgebracht, etwas für die Umwelt zu tun!”. Auf der anderen Seite sieht sie Social Media als wertvolles Tool, um andere zu ermutigen, Informationen über ein nachhaltiges Leben zu entdecken. “Instagram ist die reinste Freude! Sobald man einen guten Eco-Account gefunden hat, schlägt es einem tonnenweise weitere vor. Dank Social Media kann man sehen, wie Leute sich ausprobieren und dabei Spaß haben, locker und freundlich bleiben”.

“Ich habe mich damit abgefunden, dass ich kein Mensch für eine Capsule-Garderobe bin. Ich möchte jeden Tag jemand anderes sein”.

Routine & Rituale

Mit einem Terminplan, der die meisten von uns an den Rand eines Nervenzusammenbruchs befördern würde, sind wir neugierig darauf, wie Jasmine es dabei schafft, einen klaren Kopf zu behalten. Ihr Geheimtipp: Feste Rituale.

Jasmine verrät uns die Top Five ihrer einfachen Rituale für eine entspannte Routine vor dem Schlafengehen:


1.Visualisierungstechniken nutzen, um stressige Gedanken zu verbannen. Ich habe gemerkt, dass ein großer Teil meines Stresses aus imaginären Situationen stammt. Also korrigiere ich diese Situationen einfach gedanklich. Letzte Nacht habe ich mir zum Beispiel vorgestellt, dass meine Wohnung am nächsten Morgen aufgeräumt ist und ich erholt aufwache.

2.Sich etwa eine Stunde Zeit nehmen, um runter zu kommen, bevor man ins Bett geht, und Bildschirme wie Smartphones oder iPads vermeiden.

3.Beim Duschen ein nährendes Körperöl benutzen - ich benutze ein Ayurveda Vata Öl - und sich danach leicht dehnen.

4.Das eigene Bett sauber und ordentlich halten.

5.Wenn ich sehr müde bin, mache ich sogar einige einfache Yoga-Posen im Bett.

 


Danke für Deine Gastfreundschaft und das tolle Gespräch, Jasmine.